Männer

Männersonntag

Der dritte Sonntag im Oktober hießt in der evangelischen Kirche traditionell „Männersonntag“. Brauchen Männer einen eigenen Sonntag? Darüber sprach Gerd-Matthias Hoeffchen mit Dieter Rothardt, Landespfarrer für Männerarbeit in der Evangelischen Kirche von Westfalen.

 Brauchen Männer einen eigenen Sonntag?

Der Männersonntag hat eine lange Tradition in der evangelischen Kirche. Er hat Höhen erlebt und Tiefen. In diesem Jahr haben wir ihn bewusst aufgegriffen, weil das eine Chance ist, nach neuen Formen zu suchen, ohne die bewährten aufzugeben.

 Wie sieht das aus?

In den Gemeinden gibt es viel mehr Aktivitäten von Männern, als das unter dem Etikett der institutionellen Männerarbeit oft vermutet wird: Väter-Kinder-Gruppen, Männerfrühstück, Pilgerwege. Es ist so vieles im Umbruch, was männliche Identität angeht. Es gibt da geradezu eine Suchbewegung, auch in den Kirchengemeinden.

 Und der Männersonntag ...?

... kann dazu dienen, dieses Suchen nach Formen der Beteiligung von Männern an der Gemeindearbeit bewusst zu machen. Viele Männer erleben die Kirchengemeinde als einen Ort, der an der Basis – nicht in den Leitungsämtern – von einer Kultur lebt, die von Frauen geprägt ist. Männern ist das oft fremd.

 Töpfern und meditativer Tanz?

Gottesdienstliche Formen, bestimmte kreativ-musische Elemente. Man hört jetzt oft das Bonmot von der „gestalteten Mitte“; diese Art des Denkens und Empfindens erschließt sich Männern oft nicht.

 Was kann der Männersonntag da ändern?

Schon in der Vorbereitung auf den Sonntag haben Männer dieses Thema aufgegriffen. Es gab dazu ein Materialheft, Werkstattarbeit. In den Gottesdiensten soll das nun dargestellt werden. Es geht darum, Raum zu geben für das, was an verschiedenen Orten bereits wächst.

 Wie werden solche Gottesdienste aussehen?

Es wird eine ganze Bandbreite geben. Vom normalen Gemeindegottesdienst mit einem Beitrag aus der Männergruppe bis hin zu Gottesdiensten, die etwa vom Väter-Kinder-Team gestaltet werden.

 Wie kam es zum Thema für 2008: „Es soll nicht aufhören Saat ...“, also Umweltschutz, Klimawandel und menschliche Verantwortung dafür?

Die Männerarbeit fühlt sich seit Jahrzehnten auch für den Themenkreis gesellschaftliche Verantwortung zuständig. Das gehört zu ihrem Profil. Dazu kommt, dass von Frauen oft zu hören ist, Ausbeutung der Natur sowie die Technik als Lösungsprinzip sei typisch männliches Verhalten. Damit müssen wir uns auseinandersetzen. Außerdem halte ich es für grundsätzlich wünschenswert, dass sich Männer in der Fähigkeit zur Selbstbegrenzung üben.

 Will heißen?

Nicht immer am Limit leben. Nicht alles austesten. Die Erfahrung muss man als Mann sicherlich mal gemacht haben. Aber danach kann man sich auch wieder zurücknehmen. Man muss nicht alles machen, was machbar ist. Das sollte zur männlichen Lebenskunst dazugehören.

 Welche Zukunft hat die Männerarbeit?

Ich bin da ganz optimistisch. Das Interesse von Männern an der Gemeinde nimmt zu. Es wird darauf ankommen, dass wir geeignete Formen finden, Kreativität entwickeln.