Wort des Tages | Geistliche Impulse | Andachten

Wort des Tages [Kirchenkreis Halle]

Das aktuelle Wort des Tages vom Kirchenkreis Halle finden Sie hier.

Impuls zum 17. Januar 2021 zur Allianz Gebetswoche

Hebräer 1, 1-2 und Kolosser 3,16-17

Hebräer 1, 1-2

Nachdem Gott vorzeiten vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten, hat er zuletzt in diesen Tagen zu uns geredet durch den Sohn.

Kolosser 3,16-17

Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen. Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.

Impuls zu Hebräer 1, 1-2 und Kolosser 3, 16-17

Immer wieder bin ich überrascht, wie selbstverständlich in der Bibel davon die Rede ist, dass Gott selbst mit Menschen redet. War es eine andere Zeit, als Gott durch die Propheten "zu den Vätern" (und ich hoffe ja auch: "zu den Müttern") geredet hat? Ist das halt Vergangenheit – und heute gilt das nicht mehr? 

Mit Hebräer 1,2 – wird uns ultimativ Christus vor Augen gestellt: Er ist das Siegel, mit dem Gott alles bestätigt, was er zuvor verheißen hat. Christi Leben – Christi Lehre in Wort und Tat – alles das ist Gottes Rede zu uns heute. 

Wenn wir uns an Christus ausrichten – Leben wir aus Gottes Wort – denn durch IHN redet Gott zu uns bis heute. Beten und Bibellesen gehört unmittelbar zusammen – und ein drittes kommt dazu: Der gemeinsame Gottesdienst. Mit Psalmen, Liedern, Lehre und Ermahnung, Aufbau und Trost. 

Denn das Wort Gottes vereinzelt uns nicht – es führt zusammen. 

Im Moment können wir hauptsächlich digital miteinander Gott loben und ihm danken in Psalmen und Liedern. Lasst uns das auch nutzen. Denn Gott redet immernoch! Ihm sei Lob und Dank! 

 

Wie kann ich heute – dieses Wort Gottes leben?

  • Ich suche mir einen digitalen Gottesdienst aus, wo ich mich mit betenden Menschen verbinde und wir gemeinsam aus Gottes Wort hören und lernen.
  • Ich suche mir eine Frau oder einen Mann, mit dem ich gemeinsam über dieses Wort Gottes spreche und mich austausche. Gerne nehme ich dazu die Kontakte von Pastoren und Predigern in meiner eigenen Gemeinde auf. 

Mein Gebet

Lieber Gott, danke, dass Du uns heute, am Sonntag, auf so vielfältige Weise Gemeinschaft schenkst. Danke, dass Dein Wort wie ein Licht in der Nacht aufstrahlt – und mir das Elexier des Lebens bringt.

Amen. 

Kirsten Schumann

Foto von Pfarrerin Kirsten Schumann

Pfarrerin 3. Pfarrbezirk 

Tel. 0 52 04 / 28 88
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Impuls zum 16. Januar 2021 zur Allianz Gebetswoche

5. Mose 6, 20-25

Wenn dich morgen dein Kind fragt: Was sind das für Verordnungen, Satzungen und Rechte, die euch der HERR, unser Gott, geboten hat?, dann sollst du deinem Kind sagen: Wir waren Sklaven des Pharao in Ägypten, der HERR aber führte uns mit starker Hand heraus aus Ägypten, und der HERR tat vor unseren Augen grosse und unheilvolle Zeichen und Wunder an den Ägyptern, am Pharao und an seinem ganzen Haus, uns aber führte er von dort heraus, um uns hierher zu bringen und uns das Land zu geben, wie er es unseren Vorfahren geschworen hatte. Und der HERR gebot uns, nach allen diesen Satzungen zu handeln und den HERRN, unseren Gott, zu fürchten, damit es uns gut geht allezeit und er uns am Leben erhält, wie es heute der Fall ist. Und Gerechtigkeit wird bei uns herrschen, wenn wir dieses ganze Gebot halten und danach handeln vor dem HERRN, unserem Gott, wie er es uns geboten hat.

Impuls zu 5. Mose 6, 20-25

Fragen Kinder heute noch ihre Eltern danach, warum ihre Eltern und Großeltern ihr Leben nach Gottes Gebot ausrichten? Haben Kinder eigentlich jemals danach gefragt? 

Die heutige Bibelstelle ist eine Lehrfrage und eine Lehrantwort – eine LehrerIn und SchülerInnen Dialog. Dazu muss man kein Kind vom Alter her sein, um mit solchen Fragen zum Schüler oder Schülerin zu werden: 

Warum gehst Du in den Gottesdienst? Warum liest Du in der Bibel? Warum hältst Du Dich an die Gebote? Warum glaubst Du überhaupt an Gott? 

Die Antwort des Lehrers/ der Lehrerin ist eine Erfahrung: Wir waren Sklaven in Ägypten und wir wurden freie Menschen durch Gott, der sein Versprechen gehalten hat und uns zu freien Menschen in einer neuen Heimat werden ließ. Darum leben wir nach den Geboten Gottes, damit wir Gott erkennen und Ehrfurcht haben vor dem, was nur Gott tun kann. 

Glaube beginnt mit einer Befreiungserfahrung: So hat es uns das Volk Israel überliefert. An diesen befreienden Gott glauben wir als Christen und als Juden. Wir wissen und haben es erfahren, dass Gott das Gute und das Gerechte in unserem Zusammenleben vollbringt. Darum richten wir unser Leben nach seinem Wort aus.

 

Wie kann ich heute – dieses Wort Gottes leben?

  • Ich versuche mich zu erinnern: Gibt es Spuren dieses befreienden Gottes in meinem Leben, wo ich zumindest im Nachhinein erkenne: "Gott will, dass es mir gut geht und erhält mich allezeit am Leben."
  • Im Gebet danke ich Gott für meine Vorfahren, die mich auf den Weg des Glaubens geführt haben. 

Mein Gebet

Vater im Himmel, auch ich habe Lehrerinnen und Lehrer gehabt, die mich auf den Weg des Glaubens gebracht haben. Ich danke Dir für ihre Wegweisung. Auch heute will ich darauf vertrauen, dass Dein Handeln uns alle befreien will, weil Du unser Retter bist – heute und in Ewigkeit.

Amen.

Kirsten Schumann

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Impuls zum 15. Januar 2021 zur Allianz Gebetswoche

Philipper 1,3-6

Ich danke meinem Gott immer wieder, wenn ich an euch denke, 4 und das tue ich in jedem meiner Gebete mit großer Freude. 5 Denn ihr habt euch vom ersten Tag an bis heute mit mir für die rettende Botschaft eingesetzt. 6 Ich bin ganz sicher, dass Gott sein gutes Werk, das er bei euch begonnen hat, zu Ende führen wird, bis zu dem Tag, an dem Jesus Christus kommt.

Impuls zu Philipper 1,3-6

Paulus sitzt im Gefängnis als er diese Zeilen zur Gemeinde nach Philippi schickt: Wochenlang schon – vielleicht auch schon seit Monaten. Er hat dort Besuch erhalten von Epaphroditus (Phil2, 25ff) aus der Gemeinde in Philippi. Dieser Besuch hat Paulus sehr erfreut und neue Hoffnung geschenkt – ebenso wie das Geschenk der Gemeinde, das ihn durch ihn erreicht hat. 

Mitten im harten Lock Down verstehen wir solche Worte bestimmt sehr gut: Die Pandemie nimmt uns das Wichtigste, das wir brauchen: Den persönlichen Kontakt zu guten und zuverlässigen Menschen – das Wiedersehen und die Freude beim Ankommen – das Versprechen: Wir treffen uns bald wieder. 

Menschen sind soziale Wesen – und der Kontakt untereinander ist wie ein Lebenselexier.

Paulus findet in seiner Lock Down Situation einen weiteren Weg, um dieses Miteinander zu bewahren und zu vertiefen: Er dankt Gott dafür. Er verbindet sich im Gebet – im Lied – und nicht zuletzt im gemeinsamen Glauben mit seinen Glaubensgeschwistern in Philippi.

Das gemeinsame Gebet, in dem wir auch danken, dass Gott uns miteinander verbindet und eine gemeinsame Botschaft uns verbindet – das ist der Weg zu einer neuen Haltung, in dem uns Dankbarkeit und Mitgefühl und Rücksichtnahme auch in Entfernungen miteinander verbinden. 

Wie kann ich das Glauben – heute – mitten in der Corona Pandemie? 

Mein Gebet

Himmlischer Vater, danke, dass Du uns in Liebe und Glaube gemeinsam verbindest. Danke für Ermutigung und Bereicherung, die wir im geschwisterlichen Teilen erfahren. Lass uns leidenschaftliche Netzwerker sein und werden, damit die Vielfalt an Gaben zu Deiner Ehre eingesetzt wird.

Amen. 

Kirsten Schumann

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Impuls zum 14. Januar 2021 zur Allianz Gebetswoche

Jesaja 55, 10-11

So spricht der Herr: "Denn gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt und nicht wieder dahin zurückkehrt, sondern feuchtet die Erde und macht sie fruchtbar und lässt wachsen, dass sie gibt Samen zu säen und Brot zu essen, so soll das Wort, das aus meinem Munde geht, auch sein: Es wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende."

Impuls zu Jesaja 55, 10-11

Die Bibel ist das Lebenselexier – ist das Thema dieser Gebetswoche.

Mit Jesaja 55 begegnet uns eine Bibelstelle, die beschreibt, auf welche Weise Gottes Wort in unserer Welt wirkt: Gott spricht und begegnet mir – und indem ich höre, lasse ich Gott wirken. Für den Propheten Jesaja ruft Gottes Wort zur Umkehr, schafft Frieden und löst unbändige Freude aus. Wie der Regen durchfeuchtet Gottes Wort die Erde und etwas Neues wächst auf.

Auch da, wo ich mehr Angst fühle, Sorgen habe oder Sehnsucht, spricht Gott in meine Lebenssituation hinein: "Dein Bruder Larzarus wird auferstehen." (Johannes 11,17) verspricht Christus der trauernden Martha. Christus ist das fleischgewordene Wort Gottes. Das Wort, das aus seinem Munde geht wird nicht leer zu ihm zurückkehren.

 

Wie kann ich das Glauben – heute – mitten in der Corona Pandemie?

  • Ich bitte Gott im Gebet darum, dass sein Wort heute zu mir spricht – und dass ich es höre und in meinem Herzen bewahre.
  • Ich bleibe für 5 Minuten in der Stille – und schließe mein Gebet im Vertrauen auf Gott: "Ich bin Dein, erlöse mich. Amen"

Mein Gebet

Vater im Himmel, viel zu selten höre ich Dein Wort – oder ich lese es nur oberflächlich, suche darin nur die Bestätigung meiner eigenen Meinung. Hör nicht auf in mein Herz hinein zu reden – und öffne die Ohren meines Herzens, damit Dein Wort Halt gibt und Orientierung.

Amen. 

Kirsten Schumann

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Impuls zum 13. Januar 2021 zur Allianz Gebetswoche

Luk. 10, 36-37

"Wer von diesen dreien, meinst du, ist der Nächste geworden dem, der unter die Räuber gefallen war?" Der Gesetzeslehrer sprach: "Der die Barmherzigkeit an ihm tat." Da sprach Jesus zu ihm: "So geh hin und tu desgleichen!"

Impuls zu Lukas 10, 36-37

Jesus hatte vorher dem Gesetzeslehrer die Geschichte vom barmherzigen Samariter (Lukas 10, 30-35) erzählt. Dem Gesetzeslehrer ist sofort klar: Gerecht handelte der Samaritaner, weil er barmherzig handelt. Gerechtes Handeln beginnt damit, dass ich mich als Nächster erkenne zu dem, der meine Hilfe braucht – also: für den, der unter die Räuber gefallen ist.

Alle sind wir berufen solche Nächsten zu sein. Denn wir alle haben jederzeit die Möglichkeit uns wie der barmherzige Samariter zu verhalten: Zupackend, uneigennützig, unterstützend und liebevoll.

Jesus Frage an den Gesetzeslehrer trifft uns mitten ins Herz: Was meinst Du, wer wie ein Nächster auch gehandelt hat?

 

Was kann ich tun? Wie kann ich Lukas 10, 36-37 heute leben?

  • Ich nehme mir heute konkret vor, einen Menschen anzurufen, mit dem ich mindestens vier Wochen lang keinen Kontakt mehr hatte. Oder ich schreibe ihm oder ihr eine Karte.
  • Ich frage meinen Freund oder meine Freundin, wie ich ihr/ihm eine kleine Freude machen kann.

Mein Gebet

Barmherziger Gott, Du weitest meinen Blick für barmherziges Handeln in meinem Leben. Du öffnest  meine Augen für die Menschen, die auch meine Nächsten sind, und die ich trotzdem einfach ignoriere. Herr, schenke mir den Mut einfach zu gehorchen, wenn Christus auch zu mir sagt: "Geh hin und tu desgleichen!"

Amen.

Kirsten Schumann

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Impuls zum 12. Januar 2021 zur Allianz Gebetswoche

Psalm 119,11

"Ich behalte Dein Wort in meinem Herzen, damit ich nicht wider Dich sündige."

Impuls zu Psalm 119,11

Von Maria, der Mutter Jesu, wird am Ende der Weihnachtsgeschichte so erzählt: "Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen." (Lukas 2,20)

Der ganze 119. Psalm ist eine Schule das Wort Gottes immer wieder zu Rate zu ziehen im Leben. Ja, dieses Gebet will mein Verlangen wecken nach Gottes Wort – und meinen Mund verführen, Gott dieses Versprechen zu geben: "Ich behalte Dein Wort in meinem Herzen."

Und gleich kommt mein schlechtes Gewissen, das mich fragt:
"Wie steht es denn um Dein persönliches Bibelstudium? Wann hast Du gründlich und mit Ausdauer Dich in die Bibel vergraben und hier nach Wegweisung und Orientierung gesucht?"

Psalm 119,11 kann mich wieder zurückführen, zur Quelle und Richtschnur meines Dienstes.

 

Was kann ich tun? Wie kann ich Psalm 119 leben?

  • Ich versuche mich zu erinnern, an irgendeinen Vers aus der Bibel, der mir irgendwann mal wichtig war: Mein Taufspruch, mein Konfirmationsspruch, mein Trauspruch, irgendein anderes Wort. Und ich schreibe mir diesen einen Vers auf – auf einen großen Zettel oder auf einen kleinen Zettel. Und ich lege ihn mir irgendwo hin, wo ich ihn sehe in dieser Gebetswoche.
  • Wenn ich keinen Vers selber habe, dann gebe ich Dir jetzt meinen eigenen mit, der mir sehr viel bedeutet, mit dem ich konfirmiert worden bin und zur Pastorin ordiniert wurde: Christus spricht: „Ich bin das Licht der Welt und wer mir nachfolgt wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ (Johannes 8,12)

Mein Gebet

Christus, Du Licht der Welt, was kannst Du mir sagen, in all den Kontroversen dieser Zeit? Lass Dein Wort in meinem Herzen Wurzeln schlagen, damit mein Leben Dein Licht ausstrahlt – auch heute, an diesem grauen Wintertag.

Amen.

Kirsten Schumann

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Impuls zum 11. Januar 2021 zur Allianz Gebetswoche

Lukas 10, 25-28

Ein Gesetzeslehrer wollte Jesus auf die Probe stellen. "Meister", fragte er, "was muss ich tun, um das ewige Leben zu bekommen?" 26 Jesus entgegnete: "Was steht im Gesetz? Was liest du dort?" 27 Er antwortete: "'Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe, mit aller deiner Kraft und mit deinem ganzen Verstand!' Und: 'Du sollst deine Mitmenschen lieben wie dich selbst!'" – 28 "Du hast richtig geantwortet«, sagte Jesus. "Tu das, und du wirst leben."

Impuls zu Lukas 10, 25-28

Die Liebe zu Gott und zu meinem Nächsten ist die große Leitlinie, die uns im Alten wie im Neuen Testament als Wille Gottes entgegenstrahlt. In dieser Liebe gibt es auch keinen Gegensatz von Glaube und Vernunft: Sowohl Jesus als auch die Propheten gehen davon aus, dass wir dieses doppelte Gebot mit Gründen der Vernunft genauso beachten müssen, wie aus Gründen, die sich im Glauben an Gott festmachen.

Das Gebot Gott zu lieben und unseren Nächsten ist also universal gültig – für jeden Menschen. Denn in der Liebe erscheint uns das Bild Gottes genauso wie das Bild des Mitmenschen vor unseren Augen.

Der Gesetzeslehrer hat die richtige Einsicht: Er versteht den Willen Gottes aus dem Gesetz – jetzt geht es darum, dass er diesen erkannten Willen Gottes lebt.

 

Wie sieht das "Tu das!" am heutigen Tag aus?

  • Einmal aussprechen, dass ich Gott liebe und meinen Mitmenschen lieben will.
  • Aufmerksam bleiben für die Situation meines Mitmenschen heute – am Telefon, in der Videokonferenz, beim Einkaufen.
  • Am Abend nochmal daran denken: Hat es heute eine Situation gegeben, wo irgendein Mitmensch gemerkt hat, dass ich Gott und meinen Nächsten liebe? 

Mein Gebet

Herr unser Gott, es kann sein, dass es mir heute nicht gelingt, Dich und meinen Nächsten in vollem Umfang meines Herzens, meiner Kraft und meines Verstandes zu lieben. Dann lass es mich morgen trotzdem wieder versuchen – und vergib mir, wenn ich heute an Deinem Gebot scheitere.

Amen. 

Kirsten Schumann

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Geistlicher Impuls zum 01. Januar 2021

Jesus Christus spricht: "Seid barmherzig, wie auch Euer Vater barmherzig ist!" (Lk 6,36) – Jahreslosung 2021

Die Schwelle des neuen Jahres liegt hinter uns. Es soll etwas Neues beginnen:
Doch das neue Jahr ist nicht wie das berühmte weiße Blatt Papier, mit man neu anfängt zu schreiben. Mitten im tiefsten Lockdown, von dem kein Mensch weiß, wie lange die scharfen Gesetze und Verordnungen zum Gesundheitsschutz noch gelten, beginnen wir das neue Jahr 2021. Noch weniger als in den Vorjahren wissen wir, was es uns bringt: Welches Los wird Dir und mir zuteil werden? Wie wird es weitergehen?

Es kommt auf die Stimmung an, mit der wir solche Fragen stellen: Sorgenvoll? Ängstlich? Hoffnungsvoll – der Impfstoff wird uns Normalität bringen? Vertrauensvoll? Kämpferisch?

Das biblische Losung dieses Jahres 2021 spricht von der Barmherzigkeit: "Seid barmherzig!" – Überwindet alle Oberflächlichkeit und allen Egoismus! Lebe mit offenen Augen und Herzen! Nimm Deinen Nächsten mit in den Blick! Übernimm Verantwortung!

Und doch ist die Jahreslosung nicht nur ein erneuter moralischer Apell! Weil unsere menschliche Barmherzigkeit auf der Erfahrung der Barmherzigkeit Gottes beruht: "…wie auch Euer Vater barmherzig ist!"

Wir nehmen dieses neue Jahr – in all seiner Ungewissheit – wieder aus der Hand des barmherzigen Gottes. Gott allein kann diese Welt und unsere Zeit retten. Und er hat es schon getan: Im Kind in der Krippe, dem Licht der Welt, dem Friedefürsten, der unsere Herzen öffnet für die Barmherzigkeit des himmlischen Vaters.

Ihre Pastorin Kirsten Schumann

Gebet für den Jahresanfang:

Barmherziger Vater im Himmel,
wir alle leben aus Deiner Gnade.

Du siehst uns Menschen, unsere Sorgen und Nöte.

Du siehst auch die Menschen, die Ihr Land verlassen müssen – die hungern und leiden, die an Armut und Krankheit leiden.

Geh Du mit allen Menschen auf Erden in dieses neue Jahr: Bleibe Du bei uns auf den neuen Wegen, der Du lebst und Leben schenkst in Zeit und Ewigkeit.

Amen.

Kirsten Schumann

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Geistlicher Impuls zum 31. Dezember 2020

Der Jahresrückblick. Ein einziges Gebetsanliegen. Die Herrenhuter Losungen regen an genau das zu tun: "Der Herr hört mein Flehen; mein Gebet nimmt der Herr an." (Psalm 6,10). Vor Gott bringen, was das Herz schwer macht.

In diesem Jahr gibt es wirklich Grund genug mit schwerem Herzen zurückzublicken. Die Einschränkungen durch die Corona-Schutzmaßnahmen durchziehen das Jahr. Im März waren bereits 1.000 Menschen in Deutschland positiv auf das Virus getestet worden. Ein Bezug zum "Superspreading"-Event im österreichischen Ischgl konnte nicht nachgewiesen werden, aber in diese Zeit fallen die ersten coronabedingten Todesfälle in Steinhagen. Das Verbot, die nahen Verwandten am Lebensende nicht mehr persönlich sehen zu dürfen, ist für Familien traumatisch. In Beerdigungsgesprächen berichten die Angehörigen, wie schwer der Abschied gefallen ist. Das Virus, aber auch das fehlende Wissen damit umzugehen verbreiten Angst und Schrecken.

Grund zur Klage haben viele ältere Menschen. Sie bleiben zuhause, lassen sich die Nahrungsmittel bringen. Die Gottesdienste werden zwar wieder erlaubt, aber Normalität will nicht einziehen. Das Singen bleibt verboten, die Abstände in der Kirche lassen kaum Nähe aufkommen. Damit Gottesdienste zuhause mitgefeiert werden können, werden seit dem 15. März 2020 wöchentlich Sonntagsvideos aus den örtlichen Gottesdienststätten angeboten. Sie kommen gut an. Wenigstens im Geist und im Gebet kann man verbunden bleiben.

Dass jetzt die Weihnachtsgottesdienste ausfallen, ist ein neuer Tiefpunkt. Das hat es seit Kriegsende nicht mehr gegeben. Doch das Ausmaß der Pandemie hat diesen Schritt notwendig gemacht.

"Der Herr hört mein Flehen; mein Gebet nimmt der Herr an." Jedes Gebet hört Gott. Den leisen Seufzer, das laute Klagen, den stummen Schrei. Gott abgeben, was traurig macht. Und darauf vertrauen, dass Er es verwandelt. Denn Er geht mit, was auch passieren mag. Gehen Sie mit dem Segen ins neue Jahr.

Ihr Pastor Christhard Greiling

Christhard Greiling

Pfarrer i.E.

Diakoniepfarrer
Leiter der Begegnungsstätte
Lehrer für Evangelische Religion am Steinhagener Gymnasium

Tel. 0 52 04 / 87 03 39
Mobil 0151 / 68 87 02 62
christhard.greilingdontospamme@gowaway.kirche-steinhagen.de

Geistlicher Impuls zum 30. Dezember 2020

"Zwischen den Jahren" ist für mich eine besondere Zeit.

Die Erfahrungen des Weihnachtsfestes schwingen nach. Der Alltag ist noch nicht ganz so wie sonst. Der Blick geht immer stärker nach vorn, Richtung Neues Jahr.

Neue Kalender liegen bereit: ein kunstvoller für die Wand, der Umweltkalender für die Planung der Müllabfuhr, die Herrnhuter Losungen für die täglichen biblischen Begleitworte, der Terminkalender für die Dienstpflichten. Für digitale Kalender ist der Jahreswechsel nichts Besonderes. Sie laufen einfach weiter, in endloser Schleife.

Ich mag es den Jahreswechsel ganz handfest zu fühlen: den alten Kalender von der Wand nehmen und den neuen auf den Nagel hängen; bei den handschriftlichen Überträgen in den neuen Terminkalender das alte Jahr noch einmal Revue passieren lassen. Da waren Geburtstage von Menschen, die mittlerweile verstorben sind. Da waren Ereignisse, an die ich gerne zurück denke.

Diesmal gibt es im alten Kalender so viele durchgestrichene Termine wie nie zuvor. Die Corona-Pandemie machte einen Strich durch viele Vorhaben. Beim letzten Jahreswechsel ahnte kaum jemand, wie sie unser Leben verändern und prägen würde. Und jetzt wagt man kaum weit in die Zukunft zu planen. Wer weiß, wie es weitergehen wird.

Im Gesangbuch steht ein Lied zum Jahreswechsel, dessen Text Jochen Klepper im Jahr 1938 dichtete:

Der du die Zeit in Händen hast,
Herr, nimm auch dieses Jahres Last
und wandle sie in Segen.
Nun von dir selbst in Jesus Christ
Die Mitte fest gewiesen ist,
führ uns dem Ziel entgegen.
Der du allein der Ewge heißt
und Anfang, Ziel und Mitte weißt,
im Fluge unsrer Zeiten:
bleib du uns gnädig zugewandt,
und führe uns an deiner Hand,
damit wir sicher schreiten.

EG 64, 1+6

Ob wir in einem Jahr neben all den bitteren Erfahrungen, den Ängsten und Sorgen wohl zugleich sagen werden: die Pandemie war auch eine heilsame Unterbrechung? Dass nicht alles so weiterlaufen kann wie gewohnt, das irritiert, ist ärgerlich, enttäuschend. Zugleich merke ich deutlicher als sonst, was mir kostbar ist. Was Ballast war. Was mir Halt gibt. Wie mir manchmal nichts bleibt als mein Vertrauen und meine Hoffnung auf Gott zu setzen. Oft habe ich das schon gepredigt. Nun bin ich umso mehr gefordert, mich und uns, die Gemeinde und die ganze Welt Gott anzubefehlen. Abzulassen von dem, was ich für wichtig halte; und mich von Gott neu ausrichten zu lassen.

Dankbar will ich sein für alles, was noch oder wieder möglich ist. Für jeden Moment der Freude. Offen will ich sein für alles, was neu oder verändert sein wird. Gespannt will ich sei auf das, was Gott mit uns vorhat.

Pfarrerin Dagmar Schröder

Dagmar Schröder

Pfarrerin 2. Pfarrbezirk 

Tel. 0 52 04 / 46 79
dagmar.schroederdontospamme@gowaway.kirche-steinhagen.de

Geistlicher Impuls zum 29. Dezember 2020

Wie gut kennen Sie sich mit Weihnachten aus?

Wir haben für Sie ein kleines Weihnachtsrätsel vorbereitet. Rufen Sie es hier auf.

Christhard Greiling

Pfarrer i.E.

Diakoniepfarrer
Leiter der Begegnungsstätte
Lehrer für Evangelische Religion am Steinhagener Gymnasium

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Mobil 0151 / 68 87 02 62
christhard.greilingdontospamme@gowaway.kirche-steinhagen.de

Geistlicher Impuls zum 28. Dezember 2020

Christus spricht: "Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben." (Joh 8,12)

Zwischen den Jahren denke ich auch in diesem Jahr über diesen Bibelvers aus Joh 8,12 nach: Er ist mein Konfirmationsspruch, den ich mir vor 35 Jahren selber ausgesucht haben. Und mit diesem Vers bin ich im September 2001 ordiniert worden – durch den Pfarrer, der mich schon konfirmiert hat.

Mit diesem Wort verbindet sich ein Stück meiner Lebensgeschichte – und Personen meines Lebens, die ich nur sehr selten sehe – und trotzdem ist es dann immer ein besonderes Geschenk – diese Begegnung.

Jetzt las ich einen Text einer Theologin, die mit 30 Jahren erblindete – und deren Konfirmationsspruch auch dieses Christuswort ist: "Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben."

Und diese Theologin schreibt: "War das ein hellseherisches Lebensmotto für eine Theologin, die exakt an ihrem dreißigsten Geburtstag aus der Dimension des sichtbaren Lichts geworfen wurde…? Das Licht des Lebens ist kein optisches, sondern ein existenzielles Phänomen. Es kann nicht von Sehnerv und Netzhaut in Bilder verwandelt werden, sondern muss vielmehr durchwandert, durchlitten, eingeatmet, gespürt und mitgefühlt, schließlich auch gedeutet werden. (…) Ich weiß nicht mehr, wann das Licht der Welt wieder bei mir anklopfte. Irgendwann öffnete ich die Tür meines Lebens und war bereit, die Dimension der Unsichtbarkeit zu erkunden."

Zwischen den Jahren – ist dieses Lichtwort für mich ein gutes Leitwort! Weil ich Weihnachten in all seinen Lichtern noch fühlen kann – und den Beginn eines neuen Jahres im Glauben an den, der das Licht der Welt ist, hoffnungsvoll begehe.

Bleiben Sie behütet!
Ihre Pastorin Kirsten Schumann

Kirsten Schumann

Foto von Pfarrerin Kirsten Schumann

Pfarrerin 3. Pfarrbezirk 

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Geistlicher Impuls zum 27. Dezember 2020

Der Heilige Abend und die Weihnachtsfeiertage sind vorüber. Das Festessen ist verputzt. Die Zeit mit der engsten Familie ist vorbei. Die Gottesdienste sind angeschaut. Der Schall ist verklungen. Die Hirten haben den Rückweg angetreten. Die Weisen sind gegangen. Und wie geht es weiter?

Wie geht es mit Jesus weitergeht, erzählt Lukas im zweiten Kapitel seines Evangeliums. Maria, Josef und das Kind sind wieder in Nazareth. Jesus ist nach jüdischem Brauch beschnitten worden und hat den Namen bekommen, den der Engel Maria und Josef mitgeteilt hatte. Nach den aufregenden Ereignissen der letzten Tage, kehrt nun Alltag bei der jungen Familie ein. Und zu diesem Alltag gehört, dass Maria und Josef in den Tempel nach Jerusalem gehen und die Vorschrift der Auslösung ihres erstgeborenen Sohnes erfüllen. Jeder männliche Erstgeborene gehörte Gott und musste, wenn er nicht dem Tempel geweiht werden sollte, beim Priester ausgelöst werden.

Im Tempel begegnet ihnen Simeon. Simeon war gerecht und gottesfürchtig. Der Heilige Geist war mit ihm und hatte ihm geweissagt, dass er nicht sterben würde, bevor er den Christus des Herrn gesehen hat. Im Tempel entdeckt er Jesu Familie und erkennt in Jesus das Kind, auf das er so lange gewartet hat. Voller Freude nimmt er der verwunderten Maria das Kind aus den Händen und in seine Arme. Er ist überzeugt, dass Gott Wort gehalten und ihm in dem Kind den Heiland gezeigt hat, auf den er seit Jahren wartete. Darum lobt und preist er Gott und spricht das erste christliche Glaubensbekenntnis.

Auch die Prophetin Hanna ist im Tempel. Sie fastet und betet. Hanna ist inzwischen eine alte Frau, die ihrer Hoffnung treu geblieben ist. Auch sie sucht nach den Spuren Gottes in der Welt. Auch sie erkennt in Jesus den, der er einmal sein wird. Auch sie geht mit leuchtenden Augen und ausgebreiteten Armen auf Jesus zu, preist Gott und predigt von der Erlösung. Auch sie ist gewiss, dass sich in diesem Kind ihre Hoffnung erfüllt und sie nicht vergebens gewartet hat.

Die Hoffnung hat sich erfüllt. Gott ist an Weihnachten Mensch geworden. Er ist in diese sorgenvolle Welt gekommen. Er hat sich mit uns auf Augenhöhe begeben. Er ist uns nahegekommen, um in Kontakt mit uns zu treten. Und er geht nicht wieder. Sein Weg mit den Menschen beginnt gerade erst. Davon zeugt die Vision Simeons.

Wie geht es für uns weiter?

Gott bleibt da, auch über die Festtage hinaus. Der Gott, dessen Geburt wunderbare Freude und großen Lobgesang ausgelöst hat, erleuchtet auch weiterhin unsere dunkle Welt. Der Gott, der in einem einfachen Stall in Bethlehem als Sohn einfacher Leute geboren wurde, wird in seinem Leben all das erleben, was auch wir hier erleben und dadurch immer an unserer Seite sein. Der Gott, der zu uns gekommen ist und all unsere Sorgen und Ängste kennt, bleibt Teil unseres Lebens. Amen.

(Lukas 2,22-40)
von Pfarrerin Anne-Kathrin Becker

Anne-Kathrin Becker

Pfarrerin 1. Pfarrbezirk 

derzeit im Mutterschutz

anne-kathrin.beckerdontospamme@gowaway.kirche-steinhagen.de 

Geistlicher Impuls zum 26. Dezember 2020

eigentlich ist Weihnachten ganz klein und armselig

ein Säugling, ein Stall, die Ärmsten der Armen
und die Flucht vor den Mächtigen
und gerade das hat was mit Gott zu tun.

Gott macht sich klein
Gott wird schwach
Gott gibt sich hin aus Liebe
und lädt uns ein ihm zu folgen

nicht zu Triumph und Glanz und Gloria
sondern in die Erbärmlichkeit des Stalls
in die Erbärmlichkeit meines Stalls
in die Schwachheit meiner Liebe
in die Begrenztheit meines Könnens
in mein Versagen und Gott

macht sich ganz klein
damit er mitgehen kann

Andrea Schwarz

So groß sind die Erwartungen, mit denen wir Weihnachten begegnen, so vielfältig und aufwendig unsere Versuche, Weihnachten zu "inszenieren". An diesen Tagen wünschen sich viele Menschen ein Stück heiles Leben und Frieden auf Erden.
Umso größer ist die Enttäuschung, wenn Weihnachten nicht so sein kann, wie wir es uns vorstellen. In diesem Jahr machen manche unter uns diese Erfahrung.

Aber: Weihnachten ist ganz anders!

Gott kommt in die Welt, aber nicht dort, wo es besonders hell ist, wo alles leuchtet und glänzt. Nicht da, wo Berge toller Geschenke ausgepackt werden und exquisite Menüs auf dem Tisch stehen. Nicht da, wo Menschen einträchtig und glückselig unter einem Weihnachtsbaum sitzen.

Gott kommt in die Erbärmlichkeit, heißt es in diesem Gedicht.
Gott kommt in die Erbärmlichkeit meines Stalls, meines Lebens.
Er kommt dahin, wo das Leben so erbärmlich, so schäbig erscheint, dass wir es nicht ansehen möchten. Er kommt dahin, wo Menschen einsam sind und traurig, vielleicht sogar trostlos.
Gott kommt dahin, wo Menschen gescheitert sind und glauben, an Ende zu sein, nichts vorzuweisen haben und keine glänzende Fassade mehr vortäuschen können.
Gott kommt dahin, wo Menschen verzweifelt und voller Angst sind.
Er macht sich so klein, dass er in ihr kleines, unscheinbares Leben einziehen kann.
Und mit ihm erscheint ein Licht in unserer Nacht, ein Stern, der der Weg weist – und eine leise Stimme, die sagt: "Fürchte dich nicht!"
Die Finsternis soll weichen, die Kälte und die Angst. Das Licht soll sich ausbreiten, die Wärme und Geborgenheit.
"Es werde Licht!" - Das war und das ist Gottes Wille.

Pfarrerin Petra Isringhausen

Petra Isringhausen

Pfarrerin i.E.

Tel.: 05 21 / 87 48 47
petra.isringhausendontospamme@gowaway.kirche-steinhagen.de

Geistlicher Impuls zum 25. Dezember 2020

Als erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unsres Heilands, machte er uns selig.

Das Kind in der Krippe lächelt.

So stelle ich mir das vor – und so zeigen es viele Krippendarstellungen. Das Kind schaut mich direkt an – und das berührt mich. Ich fühle mich erkannt und verstanden. Ich spüre: dieses Kind tut mir gut. Es bringt mir Gutes.

Liebevoll und freundlich begegnet uns Gott.
So lautet die Botschaft aus dem Brief an Titus.
Stärkt sie uns, stärkt sie unsere Zuversicht in diesen bedrückenden Tagen der Pandemie?
Oder ist sie schwer nachvollziehbar?
Was bedeutet sie angesichts so vieler kranker und sterbender Menschen, für überlastetes Personal in Krankenhäusern und Pflegeheimen, für Familien und Freude, die nicht zueinander kommen können, wenn Menschen um ihre Existenz bangen?
Garstig und bedrohlich empfinden wir doch all das.

Die Weihnachtsbotschaft verschweigt die Schattenseiten des Lebens nicht:
Maria und Josef fern von Zuhause;
das neugeborene Kind in der Futterkrippe;
Hirten, die nachts ihre Herden hüten;
Flucht vor dem Mordanschlag des Herodes schon bald nach der Geburt.

Mit dem Lobgesang der Engel strahlt die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes auf, die Botschaft von der Rettung aller Menschen.
Mitten in der Nacht wird es hell über allen dunklen Erfahrungen der Welt.
Die Begegnung mit dem Kind in der Krippe bewirkt eine Veränderung. Die äußeren Umstände bleiben die gleichen. Aber mit dem Lächeln des Kindes im Herzen kann ihnen anders begegnet werden.

Einander freundlich und liebevoll begegnen, das trägt die Weihnachtsbotschaft hinaus in die Welt und mitten unter die Menschen.

Es mag eine Herausforderung sein bei so viel aufbrechender Aggression in unserer Gesellschaft, wenn Zusammenhalt und Rücksichtnahme matt werden. Aber es hat eine Verheißung.

Es braucht gar nicht viel. Gott macht keine große Geste. Da ist ein Kind, da sind Krippe und Stroh, ein Lächeln, liebevolles Zugewandtsein.
Gottes Freundlichkeit und Menschenliebe möge auch durch uns hindurch erfahrbar werden.
Jedes Lächeln, die Not der anderen sehen, zugewandt bleiben in Wort und Tat – das gibt Gottes Weihnachtsgeschenk an die Welt weiter.

Titus 3,4-5
Pfarrerin Dagmar Schröder

Stille Nacht, heilige Nacht!
Gottes Sohn, o wie lacht
Lieb aus deinem göttlichen Mund,
da uns schlägt die rettende Stund,
Christ, in deiner Geburt,
Christ, in deiner Geburt.
Joseph Mohr (EG 46,3)

Dagmar Schröder

Pfarrerin 2. Pfarrbezirk 

Tel. 0 52 04 / 46 79
dagmar.schroederdontospamme@gowaway.kirche-steinhagen.de

Geistlicher Impuls zum 24. Dezember 2020

Es ist Weihnachten und viele von uns haben den Wunsch, Heimat zu erleben, Nähe zu spüren, Zuhause zu erfahren. Dieser Wunsch nach Heimat, Nähe und einem geborgenen Zuhause ist vermutlich gerade auch in diesem Jahr der Corona-Pandemie besonders stark.

Heimat. Nähe. Zuhause. Das bewegte auch König David damals. Er hatte Jerusalem erobert und war nun König. Doch eins fehlte noch: Gott sollte in Jerusalem eine Heimat finden. Er wollte seinem Gott einen Tempel bauen, in dem er ihm nahe sein konnte. Doch es kam anders: 4 In der Nacht aber kam das Wort des Herrn zu Nathan:
5 Geh hin und sage zu meinem Knecht David: So spricht der Herr: Solltest du mir ein Haus bauen, dass ich darin wohne? 6 Habe ich doch in keinem Hause gewohnt seit dem Tag, da ich die Israeliten aus Ägypten führte, bis auf diesen Tag, sondern ich bin umhergezogen in einem Zelt als Wohnung. 12 Wenn nun deine Zeit um ist und du dich zu deinen Vätern legst, will ich dir einen Nachkommen erwecken, der von deinem Leibe kommen wird; dem will ich sein Königtum bestätigen. 13 Der soll meinem Namen ein Haus bauen, und ich will seinen Königsthron bestätigen ewiglich. 14 Ich will sein Vater sein, und er soll mein Sohn sein.

Gott einen Tempel zu bauen, war Davids Traum. Er sehnte sich in der neuen Heimat nach einem Ort, wo sein Herz Ruhe finden und er seinem Gott nahe sein kann. Doch Gott spricht durch Nathan zu ihm und betont, dass er keinen Tempel, kein Haus braucht. Ein Zelt sei seine Wohnung gewesen schon lange. Und David erinnert sich: Ja, Gott war in einem Zelt zuhause. Mitten in der Wüste ist er seinem Volk erschienen. Unter dem Sternenhimmel hatte Abraham die Verheißungen gehört. Am brennenden Dornbusch war Mose niedergekniet. Gott war nicht im Tempel, er war unterwegs.

David akzeptiert Gottes Weisung und hört von einem Nachkommen, einem neuen König. Dieser soll Gottes Sohn sein. In Jesus sehen wir diese Verheißung Nathans erfüllt. Auch die Evangelien haben in Jesus die Weissagungen des Alten Testamentes bestätigt gesehen. Für sie war Jesus der Messias, der angekündigte Nachkomme Davids, der Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst, König, Gerechter, Helfer, der Sohn Gottes.

Es ist Weihnachten und wir feiern, dass Gottes Sohn kommt. Er braucht keinen Tempel, keinen Thron, keinen heiligen Ort. Er ist unterwegs zu denen, die Heimat spüren, Heimat suchen, Heimat vermissen und Heimat verloren haben. Er wird greifbar. Er teilt all das mit uns, was wir erleben. Er kommt nach Hause, in unser Haus, in unsere Mitte, ohne das zu leugnen, was uns Mühe macht und ängstigt. Er ist nicht nur an einem Ort und nicht nur dort, wo Menschen friedlich beieinandersitzen. Er kommt auch zu denen, die kein Zuhause, keine Heimat mehr haben oder weit entfernt von ihr sind. Zu denen, die einsam sind und sich sorgen. Zu denen, die einen lieben Menschen und mit ihm einen Teil Heimat verloren haben. Zu denen, die sich um das friedliche Miteinander in dieser Welt Gedanken machen. Zu denen, die sich um ihre Gesundheit sorgen oder schwer krank sind.

Es ist Weihnachten und wir erfahren: Gott ist unterwegs. Gott kommt zu uns. Gott baut sein Haus unter den Menschen. Er möchte uns Heimat schenken. Er möchte uns Nähe geben. Er möchte uns ein Zuhause schaffen. Amen.

(2. Samuel 7,4-6+12-14a)
von Pfarrerin Anne-Kathrin Becker

Anne-Kathrin Becker

Pfarrerin 1. Pfarrbezirk 

derzeit im Mutterschutz

anne-kathrin.beckerdontospamme@gowaway.kirche-steinhagen.de 

Predigt zur Einführung von Pfarrerin Becker | 16. August 2020 10. Sonntag nach Trinitatis

Predigt zur Einführung am 16.08.2020 - 10. Sonntag nach Trinitatis
von Pfarrerin Anne-Kathrin Becker
Markus 12, 28-34

Aus welcher Vollmacht tust du das?
Wer hat dir diese Macht gegeben?
War die Taufe des Johannes vom Himmel oder vom Menschen?
Ist es recht, dass man dem Kaiser Steuern zahlt oder nicht?
Sollen wir sie zahlen oder nicht?
Wie ist das mit der Auferstehung?
Wessen Frau ist eine Frau nach der Auferstehung, wenn sie nach dem Tod ihres Mannes noch einen anderen Mann geheiratet hat?

Fast eine ganze Stunde geht das jetzt schon so. Hin und Her. Her und hin. Eine Frage jagt die nächste. Ja, sie zischen nur so durch die Luft, die Fragen. Es geht um Vollmacht, die Steuer, Auferstehung und Vieles mehr. Die anderen wirken aufgebracht und feindselig auf mich. Wollen Jesus herausfordern, reinreiten, hinhängen, bloßstellen. Doch er – er ist ganz ruhig. Steht Rede und Antwort. Drückt sich nicht. Begegnet ihren Fragen ernsthaft. Beeindruckend. Erkennt sich gut aus in der Thora. Er weiß über sie alle Bescheid, die 248 Gebote und 365 Verbote. Er ist ein guter Gesprächspartner.

Ich möchte ihm diese Frage stellen, die Frage aller Fragen. Ich möchte hören, was er dazu sagt. Ja, die Frage, sie brennt mir unter den Nägeln. Doch ich komme gar nicht dazwischen. – Jetzt. Jetzt wäre es gut. Ich muss vortreten, sonst nimmt er mich nicht wahr. Einfach heraus: Welches ist das höchste Gebot von allen? Er hat es gehört. Er dreht sich zu mir um. Und er antwortet. Das höchste Gebot ist das: "Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und mit all deiner Kraft". Das andre ist dies: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst". Es ist kein anderes Gebot größer als diese.

Liebe Gemeinde,
Jesus ist gefragt. Von allen Seiten kommen sie auf ihn zu, um ihn herauszufordern, ihn aufs Glatteis zu führen. Gerade erst ist er mit seinen Jüngern in Jerusalem angekommen. Sie besuchen den Tempel und Jesus wird in Streitgespräche verwickelt. Alle möglichen Fragen prasseln auf ihn ein. Heftig, zischend, ausdauernd, angreifend. Doch dann kommt einer von den Schriftgelehrten, einer mit echter Gesprächsabsicht, und stellt die Frage nach dem höchsten Gebot. Die Frage aller Fragen. Die Frage nach der Mitte der Thora, wie sie damals immer wieder gestellt wurde.

Lassen Sie uns hören auf das Gespräch zwischen Jesus und dem jüdischen Schriftgelehrten, wie Markus es im 12. Kapitel seines Evangeliums überliefert:
28 Und es trat zu ihm einer der Schriftgelehrten, der ihnen zugehört hatte, wie sie miteinander stritten. Als er sah, dass er ihnen gut geantwortet hatte, fragte er ihn: Welches ist das höchste Gebot von allen? 29 Jesus antwortete: Das höchste Gebot ist das: "Höre, Israel, der Herr,unser Gott, ist der Herr allein, 30 und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und mit all deiner Kraft" (5.Mose 6,4-5). 31 Das andre ist dies: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst" (3.Mose 19,18). Es ist kein anderes Gebot größer als diese. 32 Und der Schriftgelehrte sprach zu ihm: Ja, Meister, du hast recht geredet! Er ist einer, und ist kein anderer außer ihm; 33 und ihn lieben von ganzem Herzen, von ganzem Gemüt und mit aller Kraft, und seinen Nächsten lieben wie sich selbst, das ist mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer. 34 Da Jesus sah, dass er verständig antwortete, sprach er zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes. Und niemand wagte mehr, ihn zu fragen.

Markus schildert als einziger Evangelist hier ein echtes Gespräch auf Augenhöhe, keins, das Jesus aufs Glatteis führt wie die vorausgegangenen Streitereien. Das Gespräch zwischen Jesus und dem Schriftgelehrten ermöglicht ein tiefes Verständnis zwischen den beiden und betont die gemeinsame Grundlage des jüdischen und christlichen Glaubens. Auf die Frage des Schriftgelehrten nach dem höchsten Gebot antwortet Jesus zunächst mit dem Text aus 5. Mose 6, den jeder gläubige Jude kennt: "Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und mit all deiner Kraft". Er ergänzt ihn durch das Gebot der Nächsten- und Selbstliebe aus 3. Mose 19. Der Schriftgelehrte seinerseits nimmt Jesu Antwort auf und betont,dass in diesen Geboten Gottes Wille deutlich wird. Jesus zeigt sich einig mit ihm und setzt ihn in Beziehung zu seiner zentralen Botschaft des kommenden Reiches Gottes. Damit bringt er die beiden einander näher und die Umstehenden zum Schweigen.

Liebe Gemeinde,
Jesus ist gefragt. Und er antwortet. Das höchste Gebot ist die Liebe zu Gott, dem Nächsten und mir selbst. Nach den heftigen Diskussionen um so viel Wichtiges scheint Jesu Antwort auf diese Frage aller Fragen irgendwie einfach, ja fast banal. Seine Antwort, die Liebe sei das höchste Gut, ist nichts, was aufhorchen lässt, was vom Hocker reißt. Die Liebe. Ein bisschen origineller hätte sie schon sein können, Jesu Antwort, oder?

Doch es kann sicherlich nicht schaden, noch einmal hinzuschauen auf das, was uns einfach und bekannt, ja fast banal vorkommt. Was genau ist damit gemeint, dass Jesus uns aufträgt, Gott zu lieben und den Nächsten wie uns selbst?

Zuerst einmal fällt auf, dass Jesus die Gottesliebe, die Nächstenliebe und die Selbstliebe hier in einem Atemzug nennt. Sie sind nicht ohne einander zu leben. Für mich bedeutet das, dass ich Gott und meinen Nächsten nur lieben kann, wenn ich mich selbst akzeptiere, wie ich bin, mitmeinen Stärken und mit meinen Schwächen, mit meinen Möglichkeiten und mit meinen Grenzen. Wenn ich nicht nur das in meinem Leben schätze, was gut läuft, sondern auch das annehmen kann, was schwierig ist, wo ich scheitere, was ich nicht gut kann, was nicht rund läuft. Denn gerade das ist gar nicht so einfach. Ich erlebe, dass manches, wo ich viel Zeit und Kraft hineingesteckt habe, nicht die Frucht bringt, die ich mir erhofft habe. Ich erlebe, dass ich weniger musikalisches Talent mitbekommen habe als andere. Ich erlebe, dass ich Freundschaften, die einmal eng und ausdauernd schienen, nicht halten kann. Das ist schwer zu akzeptieren. Doch Selbstliebe bedeutet, dass ich diese Dinge nehme, wie sie sind, mich nehme,wie ich bin, ohne mich dabei in die andere Richtung zu verrennen und eine völlig egoistische Zentriertheit zu leben.

Als zweites nennt Jesus die Nächstenliebe. Sie ist uns vertraut. Wissen wir doch, wie wichtig es ist, einander zu helfen, unserem Nächsten zu dienen und diakonisch tätig zu sein. Das gehört quasi zum Profil eines jeden Christen. Doch in diesem Text steckt noch mehr. Jesu Verhalten zeigt, dass Nächstenliebe auch bedeutet, mich nicht zu drücken, sondern mein Gegenüber mit seinen Fragen ernst zu nehmen und mich dem, was ihn beschäftigt, zu stellen. Keine unangenehmen Fragen zu scheuen oder mit einfachen Antworten herauszureden, sondern auch dort mit dem anderen hinschauen, wo es herausfordernd ist und keine einfachen Antworten zu finden sind. Nächstenliebe bedeutet dann, das mit meinem Nächsten durchzustehen, was ihm zu schaffen macht, ihn ernst zu nehmen mit allem, was ihn bewegt. Genau hinzuhören, wahrhaftig zuzuhören, mich ernsthaft für die Fragen meines Gegenübers zu interessieren, mit ihm um Antworten zu ringen und dadurch ein echter Gesprächspartner auf Augenhöhe sein.

Und drittens geht es Jesus noch um die Liebe zu Gott. Gott zu lieben bedeutet für mich, ihm nahe zu sein und ihn an allen Bereichen meines Lebens teilhaben zu lassen. Ihm die Möglichkeit zu geben, mit mir jeden Tag neu in Beziehung zu treten, mit seiner Zuwendung und Hilfe zu rechnen und diese auch anzunehmen. Ihn im Gebet, im Gottesdienst und im täglichen Gespräch nahe zu sein und somit als wichtigsten Teil meines Lebens wertzuschätzen.

Die Liebe zu Gott, meinem Nächsten und mir selbst ist also fest miteinander verbunden und soll im Gleichgewicht gelebt werden. Und ich finde es beruhigend und tröstlich, dass Gott selbst uns zu dieser Liebe befähigt. Seine Geschichte mit den Menschen macht deutlich, dass er uns zuerst geliebt hat. In Jesu Leben ist diese Liebe sichtbar geworden. Er hat sie in Radikalität gelebt, als er sich den Verachteten und Ausgestoßenen der Gesellschaft vorbehaltlos zuwandte. Er hat niemanden im Stich gelassen, sich nie aus der Verantwortung gezogen, vor nichts die Augen verschlossen. Seine Liebe befähigt uns dazu, uns selbst, andere und auch ihn zu lieben. Wenn wir die Liebe Gottes zulassen und am eigenen Leib erfahren, wie es ist, geliebt zu werden, können auch wir uns der Liebe stellen.

Die Liebe ist also keineswegs banal, sondern ein großes Geschenk. Indem wir uns von Gott lieben lassen, können wir uns selbst akzeptieren, wie wir sind, einander lieben und füreinander da sein, aber auch Gottes Liebe antworten. Es ist tröstlich, dass Gott uns zuerst seine Liebe erwiesen hat, bevor wir selbst anfangen konnten zu lieben. Er hat uns mit all dem ausgestattet,was wir zum lieben brauchen. Seine Liebe ist eine Gabe und eine Aufgabe für unser ganzes Leben.

Liebe Gemeinde,Jesus ist gefragt. Und er antwortet. Auch wir sind gefragt, tagtäglich. Vielleicht sind die Fragen unserer Zeit andere als die zur Zeit Jesu. Aber wer gefragt ist, der sollte auch antworten. Stellen wir uns also den Fragen unserer Zeit, den Fragen, die uns bewegen, den Fragen, die andere an uns stellen, den Fragen, die unseren Nächsten den Schlaf rauben. Seien wir echte Gesprächspartner auf Augenhöhe und stehlen uns nicht aus der Verantwortung. Jesu Antwort hilft uns dabei. Sie verweist auf die gemeinsame Grundlage des jüdischen und christlichen Glaubens in einer Zeit, in der wieder öfter antisemitische Äußerungen und Handlungen wie in der Synagoge in Halle/Saale passieren, und gibt uns eine Richtung vor bei allem, was wir tun: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzemGemüt und mit all deiner Kraft. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.

Amen.

Pfarrerin Anne-Kathrin Becker

Anne-Kathrin Becker

Pfarrerin 1. Pfarrbezirk 

derzeit im Mutterschutz

anne-kathrin.beckerdontospamme@gowaway.kirche-steinhagen.de 

Biblischer Impuls 26. Juli 2020, 7. Sonntag nach Trinitatis

"Die Liebe zu den Brüdern und Schwestern soll bestehen bleiben. Vergesst aber auch die Gastfreundschaft nicht. Denn auf diese Weise haben schon manche, ohne es zu wissen, Engel als Gäste aufgenommen. Denkt an die Gefangenen, als ob ihr mit ihnen im Gefängnis wärt. Denkt an die Misshandelten, denn auch ihr lebt noch in eurem Körper."

(Aus dem Brief an die Hebräer, Kapitel 13, Verse 1-3)

 

Der Hebräer-„brief“ ist weniger ein Brief, als eher eine predigtartige Abhandlung, deren Verfasser wie auch deren Adressaten uns unbekannt bleiben. Er richtet sich an eine Gemeinde, deren Glauben „schwächelt“, vielleicht, weil die erwartete Wiederkunft Christi noch immer nicht stattgefunden hat.
Auch deshalb werden den LeserInnen im letzten Kapitel Ermahnungen mit auf den Weg gegeben.  Der Verfasser erinnert sie an das, was für Christen in einer Gemeinde wesentlich ist und was sie ausmacht.
Er erinnert sie an die Liebe, mit der sie sich als Schwestern und Brüder in ihrer Gemeinde begegnen sollen.
Er weist sie hin auf die Gastfreundschaft, mit der sie die aufnehmen sollen, die von außen hereinkommen.
Und es geht um Solidarität und Mitgefühl mit denen, die sich in Gefangenschaft befinden oder die Misshandlungen erlitten haben oder noch erleiden. 

"Du sollst Gott, deinen Herrn, lieben aus deinem ganzen Herzen, aus deiner ganzen Seele, aus deinem ganzen Denken und aus deiner ganzen Kraft. Und du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst."

Das, sagt Jesus, seien die beiden wichtigsten Gebote, und größer sei kein anderes.
Diese beiden Gebote gelten für den Umgang miteinander innerhalb der Gemeinde. Aber sie gelten ebenso in der Begegnung mit Fremden, die zu uns kommen, die anders sind als wir, die anders leben und anders glauben.

Die Arbeitsstelle für Mission, Ökumene und Weltverantwortung ("MÖWe") hat unter dem Thema "Kirche und Migration" Material für den Gottesdienst an diesem Sonntag veröffentlicht. Wie begegnen wir fremden Menschen bei uns?
Wie begegnen wir geflüchteten Menschen, die aus fernen Ländern und uns fremden Kulturen hierher zu uns kommen auf der Suche nach Schutz, Sicherheit und einer Zukunftsperspektive?
Als 2015 eine sehr große Anzahl von Menschen nach Europa drängte und bei uns in Deutschland aufgenommen zu werden hoffte, hat das sehr unterschiedliche Reaktionen ausgelöst.
Viele haben sich engagiert und eine Willkommenskultur gepflegt. Sie wollten den Menschen, die als Fremde zu uns kamen, zeigen: Ihr seid willkommen ! Wir nehmen euch gern an und auf. 

Andere reagierten mit mehr oder minder deutlich geäußerter Ablehnung. So viele Flüchtlinge in Deutschland empfanden sie als eine zu große Belastung. Sie fürchteten – und fürchten – eine Überfremdung unseres Landes.
Und nicht zuletzt gab und gibt es rechtsradikale Hetze gegenüber den Geflüchteten, gegenüber Fremde überhaupt.
Als Kirchen, als Christen sind wir herausgefordert, uns in einer solchen Situation klar zu positionieren.

In 2. Mose 23 lesen wir:

"Einen Fremdling sollst du nicht bedrücken. Ihr wisst, wie dem Fremdling zumute ist; seid ihr doch selbst auch Fremdlinge gewesen im Land Ägypten."

In Matthäus 25:

"Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen. Was ihr einem meiner geringsten Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan."

Das meint: Wenn uns Menschen begegnen, die unseren Beistand, unsere Hilfe, unsere Solidarität brauchen, dann sind das nicht nur diese Menschen, sondern in ihnen begegnet uns Jesus, in ihnen begegnet uns Gott selbst.

"Schon manche haben, ohne es zu wissen, Engel als Gäste aufgenommen."

Das erinnert an die Geschichte von Abraham, der drei fremde Männer bewirtet, die zu ihm kommen (1. Mose 18). Erst später stellt sich heraus, dass er hier Gott selbst bzw. seine Boten bei sich aufgenommen hat. 

In den Evangelien wird immer wieder erzählt, dass Jesus mit Menschen zusammenkam, um mit ihnen zu essen und zu trinken, mit ihnen zu reden und Feste zu feiern. Bei solchen Gelegenheiten erlebten Menschen Gemeinschaft, erlebten sie, was es bedeutet, dabei zu sein, dazuzugehören, nicht mehr abseits zu stehen. Jesus teilte Fische, Brot und Wein mit allen, die da waren, ohne zu fragen: Wer bist du, und wollen wir dich hier dabei haben?

Sind wir eine gastfreundliche, offene Kirche? Sind wir eine gastfreundliche, offene Gemeinde? Hier und da gelingt uns das sicher, aber für Außenstehende, für Fremde ist es sicher nicht leicht, Anschluss zu finden und dazuzugehören.
Gott lädt alle Menschen ein, gleich welcher Herkunft, welcher Hautfarbe, welcher Sprache sie auch sein mögen. Die Liebe, mit der sich Gott uns zuwendet, die gilt allen Menschen, allen Geschöpfen. Und das deutlich zu machen in unserem Verhalten, in unserer Haltung gegenüber den Menschen in unseren Gemeinden, aber eben auch gegenüber Fremden, denen, die weit draußen stehen, den Gefangenen und Misshandelten, gegenüber denen, die keiner haben will, dazu werden wir hier aufgerufen. Vor diese Herausforderung sind wir gestellt. 

Petra Isringhausen

Petra Isringhausen

Pfarrerin i.E.

Tel.: 05 21 / 87 48 47
petra.isringhausendontospamme@gowaway.kirche-steinhagen.de

Geistlicher Impuls 19. Juli 2020, 6. Sonntag nach Trinitatis

Aus der Predigt von Pfarrerin Dagmar Schröder

"So sollst du nun wissen, dass der Herr, dein Gott, allein Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit bis ins tausendste Glied
hält denen, die ihn lieben und seine Gebote halten,
so halte nun die Gebote und Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete,
dass du danach tust."

5. Mose 7, 9+11

Regeln einhalten - ein großes Thema in diesen Wochen. Abstandsregeln. Kontaktbeschränkungen. Ausreisesperren. Viele tun sich schwer damit. Pubertierenden Jugendlichen gleich ist da ein Bestreben, die Einhaltung von Regeln zu umgehen, die gesteckten Grenzen auszuweiten, andere auszutricksen. Ein Armutszeugnis ist das für die Solidarität in unserer Gesellschaft. Beschämend die maßlos Feiernden in einem Land, das so viele Pandemie-Opfer zu betrauern hat.

Lange war leitend, was das große ICH will. Auch in der Erziehung. Anderes hatte sich dem ICH unterzuordnen.
Regeln schützen das Ich und das Wir. Regeln wollen helfen, dass es gut und gerecht zugeht. Dass niemand auf der Strecke bleibt.

Regeln für ein Leben in Freiheit – so werden die 10 Gebote manchmal genannt.
Dem Volk Israel mit auf den Weg gegeben nach der Flucht aus Ägypten, der Befreiung aus der Sklaverei. Regeln für ein gelingendes Zusammenleben im eigenen Land.
Grundlegende Gebote sind das. Bewahrt und weiter gegeben wirken sie bis heute.
Über das Volk Israel hinaus. Konfirmandinnen und Konfirmanden lernen sie.
Und auch manche der Menschen, die ansonsten nicht viel mit Kirche im Sinn haben, orientieren sich in ihrer Lebensführung an den 10 Geboten.

Allerdings wird heutzutage gerne geschaut, was einem in den Kram passt und was nicht.
"Du sollst den Feiertag heiligen" – Gott die Ehre geben, im Gottesdienst die Begegnung mit Gottes Wort suchen, sonntags die Arbeit ruhen lassen – dieses Gebot wird von Vielen nicht sehr ernst genommen. "Du sollst nicht ehebrechen" – da wird dagegen gehalten: das machen doch alle.

Scheinbar hat es ja keine Konsequenzen, ob die Regeln eingehalten werden oder nicht. Scheinbar. Denn es macht etwas mit mir und dem Miteinander. Es hat Auswirkungen auf meine Beziehung zu Gott.

Nach dem Zeugnis der Bibel geht Gott eine liebevolle Beziehung ein. Gottes Liebe ist so unendlich groß, dass auch für uns etwas übrig bleibt. Israel bleibt Gottes geliebtes und erwähltes Volk. Doch auch uns anderen hat Gott das Leben geschenkt. Und Gott schenkt auch uns seine Liebe. Gott will eine Beziehung zu uns und mit uns haben.

Gott bindet sich an die Menschen.
Das gibt uns Halt.
Das gibt unserem Leben Richtung und Ziel.
Wir können uns auf Gott verlassen.

Wenn wir uns an Gottes Wort und Gebot halten, bleiben wir in der Liebe, die von Gott kommt. Gottes Liebe bringt zudem seine geliebten Kinder zusammen. Dass wir zu Gott gehören, soll sich zeigen: an unserer Art zu leben; dass auch wir Gott die Treue halten. Im Halten der Gebote soll sich zeigen, wer zu Gott gehört.

Durch die Taufe wurden wir Gott in die Hände gelegt und ans Herz. Und mit Jesus Christus werden wir auf den Weg des Reiches Gottes geschickt. Zu einem Leben in der Liebe. Zu einem Leben in Freiheit.

Regeln und Gebote werden womöglich als Einengung der Freiheit wahrgenommen. Mit den Augen der Liebe betrachtet schützen sie die Schwachen, die Gerechtigkeit, die Solidarität. Sie schützen uns womöglich auch vor uns selbst – vor Unbedachtsamkeit und Gottvergessenheit. 

Durch die Pandemie und die Notwendigkeit, sich zum Schutz vor Infektion zurückzuziehen, ist weltweit das Gemeinschaftliche ins Hintertreffen geraten. Impfstoff und Medikamente für alle – oder für die, die sich den Zugriff mit Geld erkaufen, oder die Erkenntnisse ausspionieren und stehlen?

Gemeinsam dafür sorgen, dass Kranke Behandlung und Hilfe bekommen – oder Fördermittel abgreifen und für die Sanierung der eigenen Kassen einsetzen?

Schulden gemeinsam tragen – diejenigen entlasten, die wenig haben und andere belasten, die mehr als genug haben – oder soll jeder zusehen, wo er bleibt?

Den Alltag gemeinsam neu regeln – oder die Frauen damit allein lassen, Beruf und Familie, Homeoffice und Homeschooling unter einen Hut zu bringen?

Zieht digital davon, wer sich technische Ausstattung leisten kann – und es bleiben die auf der Strecke, die hier nicht  mitmachen können oder wollen?

Finden wir eines Tages zurück zu persönlichen Begegnungen in der Gemeinde – mit Freude, gemeinschaftlich Gottesdienste zu feiern oder als Gruppe zusammen zu kommen – oder bleibt jeder und jede mit sich allein – am Bildschirm oder Telefon?

Die Liebe sieht nicht nur, was vor Augen ist. Die Liebe sieht ins Herz. Und sie schaut mit dem Herzen. Die Liebe kann warten, bleibt in Sehnsucht auf die gemeinsame Zukunft ausgerichtet. 

Gott, wir danken dir, für deine Liebe und für deine Barmherzigkeit. Du schenkst sie uns ohne Vorbedingung. Das gibt uns Halt. Das richtet uns auf. Das macht unsere Liebe stark.

Hilf uns, den Blick wieder neu auf dich und deine Liebe zu richten. Hilf uns, deine Barmherzigkeit anzunehmen und barmherzig mit uns selbst zu sein. Erfülle uns mit deiner Liebe, so dass wir daraus schöpfen können, um sie weiter zu geben. Amen.

Dagmar Schröder

Pfarrerin 2. Pfarrbezirk 

Tel. 0 52 04 / 46 79
dagmar.schroederdontospamme@gowaway.kirche-steinhagen.de

Wort zum Sonntag 19. Juli 2020, 6. Sonntag nach Trinitatis

Neulich habe ich eine alte Postkarte wiedergefunden: „Was die Welt braucht, sind ein paar verrückte Menschen, denn schaut an, wohin uns die Normalen gebracht haben.“ Ich musste schmunzeln, denn ich erinnerte mich sofort an diesen Spruch von George Bernard Shaw: Als ich noch Studentin war, hing diese Karte an meiner Pinwand.

Der passt heute auch ziemlich gut – finde ich! Denn ich höre immer mehr, dass wir in „verrückten Zeiten“ leben. Stimmt! – denke ich mir dann, weil trotz aller Bemühungen um ein „normales Leben“ und eine „normale Sommerzeit“ wir eben nicht „normal“ leben.

Ich war ja schon immer der Meinung, dass „normal“ nur das andere Wort für „langweilig“ ist: Immer alles nach „Schema F“ erledigen! Bloß keine Fehler machen – und vom Prinzip abweichen – dann kommt alles durcheinander! Ein bisschen „Verrücktsein“ – oder wenigstens „chaotisch“ – das können wir ganz gut gebrauchen: In der Kirche und genauso in der Gesellschaft.

Ich meine: Auch die ersten Jünger Jesu waren eher vom Typ her „verrückt“. Von Petrus zum Beispiel und seinem Bruder Andreas und seinen beiden Freunden Jakobus und Johannes wird erzählt, dass sie nach dem größten beruflichen Erfolg als Fischer, Boote, Netze, Familie, das Land verlassen haben um Jesus nachzufolgen. Der materielle Erfolg zählt nicht – Ihnen war in der Begegnung mit Jesus etwas anderes wichtig: Die Begegnung mit Gott. Die Erfahrung, dass die Fülle des Lebens mehr ist als Kariere, Geld, Leistung und Erfolg.

„Sie verließen alles und folgten ihm nach.“ (Lukas 5,11) – das waren Verrückte, die unsere Welt heute braucht.

Als Christen sollten wir uns an ihnen ein Beispiel nehmen – öfter mal querdenken – anders handeln – überhaupt weniger nach „Schema F“ leben. Denn wir haben eine Orientierung an dem, der uns alle lehrt: „Du sollst den Herrn Deinen Gott lieben, von ganzem Herzen, von ganzer Seele, mit aller Kraft und aller Vernunft und Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst.“

In diesem Sinne – lasst uns in diesen verrückten Corona Zeiten jene Menschen sein, die mit dieser Orientierung positiv und verrückt sind.

 

Ihre Pastorin Kirsten Schumann, Steinhagen

Kirsten Schumann

Foto von Pfarrerin Kirsten Schumann

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Tel. 0 52 04 / 28 88
Mobil 0160 / 42 94 07 8
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Geistlicher Impuls zum 12. Juli 2020

Lukas 5,1-11: Der große Fischzug von Petrus

Es begab sich aber, als sich die Menge zu ihm drängte, zu hören das Wort Gottes, da stand er am See Genezareth. 2 Und er sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. 3 Da stieg er in eines der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Und er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus. 4 Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus! 5 Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen. 6 Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische und ihre Netze begannen zu reißen. 7 Und sie winkten ihren Gefährten, die im andern Boot waren, sie sollten kommen und ihnen ziehen helfen. Und sie kamen und füllten beide Boote voll, sodass sie fast sanken. 8 Da Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch. 9 Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die mit ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten, 10 ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen. 11 Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach.

Nachgedacht: „Fahre hinaus, wo es tief ist…“

Diese Berufungsgeschichte von Petrus hat viele Andeutungen – Und eine Zeitansage für unsere Kirche in der heutigen Situation. Ich nehme einen solchen Andeutungssatz heraus – Christus sagt zu Simon Petrus: „Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft dort Eure Netze zum Fang aus.“ Simon Petrus erhebt zwar den Einwand, dass sie die ganze Nacht nichts gefangen hätten – stimmt aber letztlich zu: „Auf Dein Wort hin will ich die Netze (erneut) auswerfen.“

Im Jahr 2019 sind insgesamt weitere 270.000 Menschen aus der evangelischen Kirche ausgetreten – etwas mehr noch aus der katholischen Kirche: Also mehr als eine halbe Million Menschen haben sich entschlossen aus einer der beiden großen Kirchen auszutreten. Bundesweit gehören nur noch 52% entweder der evangelischen oder der katholischen Kirche an.

So stelle ich mir heute eine erfolglose Nacht als Menschenfischer vor: 2019 – schon lange vor Corona - ist die Kirche Jesu Christi hier in Deutschland für viele Menschen irrelevant geworden. Die öffentlichen Reaktionen beider Kirchenleitungen und verschiedener TheologInnen Und Journalisten schwanken zwischen Ratlosigkeit – Enttäuschung und hoffnungsvoller Aufbruchrethorik. Vor allem die jungen Menschen zwischen 20-25 Jahren schreiben der Ihnen veraltet erscheinenden Kirche ins Stammbuch: „Ich jedenfalls brauche diese Kirche nicht!“

Enthält das Evangelium vom großen Fischzug des Petrus eine Perspektive für diese erfolglose Menschenfischer Nachfolge?

„Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft dort Eure Netze zum Fang aus.“ – für mich heißt das: „Versucht es doch mal dort, wo Ihr es noch nie versucht habt! Wo Ihr das Gelände noch nicht kennt! DA eben wo das Wasser tief ist! Versucht es mit neuen, kreativen Methoden – auf unbekannten Wegen – vielleicht auch mit digitalen Mitteln – und vielleicht mit dem, was Simon Petrus hier zeigt: Mit Vertrauen, das sich einlässst auf das tiefe Wasser – denn schließlich „verlassen sie alles und folgen IHM nach“

Glaube und mit ihm die Kirche lebt vom Aufbruch – gemeinsam! Petrus hat am Ende seinen Bruder Andreas, und die beiden Söhne des Zebedäus Johannes und Jakobus, mit an seiner Seite als Jünger Jesu. Es ist nicht nur einer alleine, der aufbricht in das tiefe Gewässer, um Menschenfischer zu werden.

Ein Aufbruch mit Vertrauen, der sich lohnt, denn er hat seinen Grund in der Anwesenheit Christi in ihrer Mitte: „Fürchte Dich nicht!“ – spricht Christus zu ihnen – und zu uns! Denn das, was wir in dieser Nachfolge lernen wird uns die Augen öffnen und an Ausstrahlung hinzugewinnen.

Es liegt an uns: Ob es bloße Sonntagsrethorik einer Predigt bleibt, die uns hier zum Aufbruch ruft – oder ob es ein Berufungserlebnis wird,  wie für Petrus und die anderen.

„Herr, auf Dein Wort hin will ich erneut die Netze auswerfen – da, wo das Wasser tief ist.“ Amen. 

Wochenspruch

Aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.

Epheser 2, Vers 8

Kirsten Schumann

Foto von Pfarrerin Kirsten Schumann

Pfarrerin 3. Pfarrbezirk 

Tel. 0 52 04 / 28 88
Mobil 0160 / 42 94 07 8
kirsten.schumanndontospamme@gowaway.kirche-steinhagen.de

Geistlicher Impuls zum 5. Juli 2020

Nachgedacht: Über ein Leben ohne Sorgen…

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch allen. 

 

Meine Schwestern und Brüder,

Urlaub und Sommerferien – das ist der Inbegriff von Sorglosigkeit – Zeit haben – die Seele baumeln lassen.

Kein Wunder, dass zur Zeit alle so hektisch und aufgeregt und auch aggressiv reagieren, weil uns aus dem Kreis Gütersloh will ja zur Zeit keiner bei sich haben: Kaum eine Stunde im Laufe eines Tages, wo mir nicht jemand erzählt oder schreibt oder postet, was jetzt schon wieder schlimmes mit Gütersloher Bürgern oder Autos passiert ist: Hier das Auto verkratzt – dort ein Mensch beschimpft – oder auch tätlich angegriffen.

Und zu allem Überfluss – quasi der Zwang sich aktuell einen negativen Coronatest zu holen – um dann doch noch in den wohlverdienten Urlaub zu entschwinden – egal wohin: An die Nordsee – an die Ostsee – oder das europäische Ausland – Insel Kos in Griechenland zum Beispiel.

Nach viel und anstrengendem Arbeiten muss es endlich mal Erholung geben – Leben ohne Sorgen! So wie es Jesus in der Bergpredigt sagt: „Sorgt Euch nicht – um Euer Leben...“

Mir sind diese Worte vor gut 10 Jahren in einem Erzählbuch über „Jesus macht Ferien“ wieder so richtig ins Bewusstsein gefallen: Ich habe es danach zigmal weiterverschenkt – für alle urlaubsbedürftigen Freunde und Bekannte und Kollegen und Mitarbeiter: Immer mit einem frommen Spruch vorne Drin: „Sorge Dich nicht! Mach es wie Jesus: Fang an zu leben!“

Mittlerweile bin ich davon nicht mehr ganz so begeistert: Weil es so tut, als ob wirklich Leben nur im Urlaub passiert. Und wehe, wenn dann im Urlaub nicht alles passt: Also wenn der Service im Hotel nicht passt – oder die Ferienwohnung nicht hält, was die Fotos versprochen haben – oder im gemieteten Campingwagen nicht alles in Ordnung ist, sondern Reparaturen anfallen – oder wohlmöglich – Gott bewahre – unter den Mitreisenden Familienmitgliedern Streit und Krach aufkommt. Dann ist die wichtigste Zeit des Jahres dahin – kaputt – zerstört!

Kein Wunder, dass wir dann hektisch – Aufgeregt – oder auch aggressiv werden, weil uns die wichtigste Zeit des Jahres dann nicht das gibt, was wir doch so dringend brauchen: Erholung – Freiheit – Durchatmen – Leben ohne Druck und Hetze.

Ich habe das auch schon in meinen Urlauben gemerkt: Da versuche ich so krampfhaft – mich zu entschleunigen – all das zu tun, wozu ich sonst keine Zeit habe („ein gutes Buch lesen“), langsamer zu werden – dass all diese Versuche schließlich wieder zum Stress werden:

  • Sei es, dass ich mir zu viel Aktivitäten einplane
  • Urlaubsziele, die ich unbedingt noch sehen will
  • Oder einfach nur den inneren Druck spüre: „Jetzt lass doch mal locker!“ – das klappt bei mir nie!

Deshalb habe ich auch immer die Sorge, dass das, was Jesus hier in der Bergpredigt sagt: Es ist nicht wirklich zu realisieren! Weder im Urlaub noch im Alltag.

Der Schlüssel, der allerdings in diesen Worten Jesu steckt – ist das Finden von Gelassenheit und Geduld! Und in den Bildern von den Blumen auf den Feldern – und den Vögeln unter dem Himmel steckt viel Sanftheit – und auch Weite.

Und in den vielen Jahren, wo ich immer wieder gegen meine eigene Kraftlosigkeit ankämpfe, habe ich gemerkt, dass ich mit Geduld und Sanftmut und Weite eine ganz andere Kraftquelle entdecke, die mir ständig neu zugänglich ist.

Ich weiß, das klingt jetzt wie in diesen Lebensratgeber Büchern oder Zeitschriften. Aber tatsächlich können sanfte Worte mein Inneres befrieden – und schöne Musik meine Seele streicheln – und Stille kann mir zum Weg werden, wo ich vorher nur Gittern und Mauern gesehen habe.

Jesus sagt: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, dann wird Euch alles andere zufallen.“

Auch das gehört zu den sanften Worten, die meine Seele berühren. Nicht nur aufregen, weil das halt in diesem verrückten Corona Jahr wahrscheinlich nicht bei allen klappt mit dem tollen Jahresurlaub! Sondern Gottes Reich suchen und finden – auch hier – in Steinhagen – mitten im Kreis Gütersloh. In schönen Bildern – in Gesprächen auf der Terrasse – bei den Ferienspielen am Dietrich Bonhoeffer Haus – in Geduld wiederentdecken – und in der Langsamkeit ankommen.

Bleibt behütet – und gesund – und hoffentlich ohne weitere negative Ausgrenzungserfahrungen!

Der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, halte Euren Verstand wach und Eure Hoffnung groß und er stärke Eure Liebe. Amen.

Ihre Pastorin Kirsten Schumann

Wochenspruch

Einer trage der anderen Last. So werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.

(Gal 6,2)

Kirsten Schumann

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Geistlichen Impuls zum 28. Juni 2020

Sonntag, der 28. Juni 2020

Vergebung macht frei

Eigentlich hat man doch recht. Was passiert ist, war zutiefst verletzend. Man kann es nicht schönreden. Es lässt sich auch nicht ungeschehen machen. Aus und vorbei. Es bleiben Schuldzuweisungen, Vorwürfe zementieren die Trennung. Das war es also.

Doch ist damit wirklich alles aus? Warum ist mit dieser Haltung eigentlich nicht nur die Beziehung zu dem anderen gestört, sondern auch zu mir selbst? Das Problem hat unter der Hand ein ganz anderes Ausmaß angenommen. Hier setzt die Bitte Jesu aus dem Vater unser ein: "Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern" (Matthäus 6,12). Jesus stellt nicht die Schmerzen in Frage. Er sieht auch die Enttäuschung, die damit verbunden ist, den Zweifel, die Vorwürfe, die Schuldzuweisungen. Aber bei dieser Erfahrung soll es nicht bleiben. Der Blick soll nicht in der Vergangenheit festhängen, sondern wieder frei nach vorne gehen. Darum geht es in der Kraft der Vergebung.

Die Befreiung von Schuld ist bei Jesus ein großes Thema. Jesus heilte kranke Menschen, und vergab ihnen ihre Schuld. Das richtete sie auf, und sie fanden wieder den Weg ins Leben zurück. Das Harte und Kranke löst sich auf, Liebe kann wieder einziehen. Das Leben liegt wieder offen da. Vertrauen wird wieder möglich, weil man einander vergeben hat.

Der Bibeltext für den heutigen Sonntag staunt ebenfalls über die Macht der Vergebung. Hier ist es Gott, der den Menschen vergibt und der damit einen Neuanfang ermöglicht. In Micha 7,18-20 steht in der Übersetzung der Guten Nachricht:

18 Herr, wo sonst gibt es einen Gott wie dich? Allen, die von deinem Volk übriggeblieben sind, vergibst du ihre Schuld und gehst über ihre Verfehlungen hinweg. Du hältst nicht für immer an deinem Zorn fest; denn Güte und Liebe zu erweisen macht dir Freude.

19 Du wirst mit uns Erbarmen haben und alle unsere Schuld wegschaffen; du wirst sie in das Meer werfen, dort, wo es am tiefsten ist.

20 Den Nachkommen Abrahams und Jakobs wirst du mit Liebe und Treue begegnen, wie du es einst unseren Vorfahren mit einem Eid zugesagt hast.

Mein Wunsch für Sie heute ist: Wenn Gott uns die Schuld vergibt, wie uns im Bibeltext zugesagt wird, dann bitten wir ihn um die Kraft der Vergebung füreinander. Vielleicht so: Es tut mir leid. Ich vergebe dir. Bitte verzeih mir. Lass uns neu anfangen. In Liebe. 

Ihr Pastor Christhard Greiling

 

 

Wochenspruch

Der Menschensohn ist gekommen, Verlorene zu suchen und zu retten.

(Lukas 19,10)

Wort des Tages vom 11. Mai 2020

Also: Morgen, am 10. Mai ist es soweit: Auch im Kirchenkreis Halle feiern wir Wiedereröffnung unserer Kirchen am Sonntag Kantate. Allerorten laden wir wieder zu öffentlichen Gottesdiensten ein, nachdem ausgiebige Schutzkonzepte – mit behördlichem Siegel – umgesetzt worden sind.
Viele Beratungen, Telefonate, so manche Telefon- oder Videokonferenz ist dafür gebraucht worden.
Ausgerechnet an Muttertag fangen also auch die Kirchen mit dem Realisieren der Exitstrategien an – und natürlich fragen wir uns: Wie viele Leute werden wohl kommen? Mit eigener Schutzmaske! Aber ohne eigenes Singen! 

Wie wird die Kirche auf uns Wirken mit den demonstrativen Desinfektionsspendern und den vielen Piktogrammen und Zeichen, die uns Wegerichtungen aufzeigen? 

Bei allen Hygiene und Distanzmaßnahmen – eins finde ich bringt der Eifer um die Wiedereröffnung der Gottesdienste doch mit sich: Wir merken doch, wie kostbar die eine Stunde gemeinsamen Betens in der Gemeinde am Sonntag ist. Dass Gemeindeglieder mich anrufen und mir sagen, wie leid es ihnen tut, dass sie am Sonntag nicht in die Kirche kommen können – das ist schon ein Tag, den ich mir rot im Kalender eintrage. 

Und die ganz einfach zu findenden ehrenamtlichen Kirchendiener, die behilflich sind beim Auffinden der Plätze und beim Aufschreiben der Namen der Anwesenden – auch das, gehört zu den Lichtmomenten in diesen manchmal wirren Zeiten.

Wie viele werden kommen? Werden mehr als die erlaubten 46 Personen in die Dorfkirche hineinkommen wollen? Eins weiß ich ganz sicher: 
Wir machen sofort um 11.00 Uhr noch einen Gottesdienst – damit wirklich alle, die wollen in Gemeinschaft beten können – und auf Christus hören, der zu uns spricht: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will Euch erquicken.“

Aber Gottseidank – nach dem 10. Mai wird es am 17. Mai (Rogate) und am 24. Mai – und immer wieder einen Sonntag geben, an dem wir zur Kirche gehen können.


Kirsten Schumann

Pfarrerin in der Kirchengemeinde Steinhagen

Wort des Tages vom 04. Mai 2020

„Geschützt im Alter“ – deshalb: „Besuch verboten“. Neulich stand ich als Pastorin vor der Tür einer Wohngruppe für alte Menschen hier in Steinhagen. Am nächsten Tag wurde ein Bewohner 93 Jahre alt. Eine freundliche Pflegekraft kam an die Tür – wir beide hielten Abstand – beide mit Mundschutz. Wir erkannten uns, weil ich „früher“ öfter zu Gottesdienst oder zum Geburtstagsbesuch ins Haus kam. Und sie erklärte fast entschuldigend: „Sie dürfen aber nicht rein!“

Ich versicherte ihr, dass ich auch nur die Geburtstagspostkarte für den morgigen Geburtstag abgeben wollte und fragte, ob sie diese ihm weitergeben und vorlesen könnte. 

Bestimmt hat diese freundliche Altenpflegerin es auch getan. 

Aber bei mir blieb der Gedanke: Keine Seelsorge möglich – außer schriftlich – per Karte. Ich wusste: Der vor 93 Jahren geborene war vor seiner Pflegebedürftigkeit ein regelmäßiger Besucher im Gottesdienst der Dorfkirche. 

Ein Gebet – vielleicht ein Segenswort – eine kurze Berührung mit dem Kreuzzeichen – er hätte sich gefreut.
„Wir schützen, was wir lieben!“ Irgendwoher kommt mir dieser Werbeslogan in den Sinn. Und ich spreche mit den Familienangehörigen, die nicht mehr ihre Eltern, ihre Ehepartner, ihre Onkel und Tanten besuchen gehen dürfen im Pflegeheim, einfach weil es zu viel Gefahr und Ansteckungsrisiko mit sich bringt.
Geradezu zynisch veröffentlich der Tübinger Bürgermeister Boris Palmer am 28. April: „Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären - aufgrund ihres Alters und ihrer Vorerkrankungen.“

Gemeint ist die Tatsache, dass meisten Verstorbenen mit Covid -19 ein hohes Lebensalter aufweisen (über 80 Jahre) oder durch Vorerkrankungen ohnehin nur noch eine geringe Lebenserwartung gehabt hätten.
Im Hintergrund einer solchen Äußerung stehen die sozialdarwinistischen Gedanken vom Überleben der Starken und  die Selektion der Schwachen. 

Christus dreht das Verhältnis von Starken und Schwachen um: „Lass Dir an meiner Gnade genügen. Denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ (2.Kor 12,9) 

Dieses Wort Christi sei allen gesagt – heute – Morgen – bis in Ewigkeit!


Kirsten Schumann, Gemeindepfarrerin der Ev. Kgm. Steinhagen



Geistlicher Impuls zu Karfreitag und Ostern

10. April 2020

Die notwendigen Schutzmaßnahmen gegen die Ausbreitung vom Corona-Virus erlauben keine Versammlungen, also auch keine Gottesdienste in der Osterzeit. Das Steinhagener Pfarrteam möchte mit Ihnen verbunden bleiben und hat deshalb für die Karwoche und Ostern, vom 05. bis 12. April, für jeden Tag geistliche Impulse erstellt. Bitte laden Sie sich die PDF-Datei auf ihren Computer herunter!

Wort des Tages vom 31. März 2020

Meine Zeit steht in deinen Händen

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Schreckensnachrichten um die Corona-Krise reißen nicht ab. Die Zahl der Infektionen steigt nach wie vor, es gibt immer mehr Sterbefälle. Die Atemschutzmasken werden knapp. Ein erstes Krankenhaus in Deutschland nimmt keine Patienten mehr auf. Viele sind schon infiziert – doch wie viele werden es noch werden? Die Telefonseelsorge erhält 50 Prozent mehr Anrufe. Auch die seelischen Belastungen nehmen zu. Wie wird das weitergehen? Wie kann man gesund bleiben? Wie soll man mit der Unsicherheit umgehen?

Eine helfende Antwort kann man in der Bibel finden, im alten Gebetbuch, im Psalter. Hier beschreiben Menschen schonungslos ihre verzweifelte Situation. In Psalm 31 werden wir Zeuge einer erschreckenden Situation, wenn es heißt: „HERR, sei mir gnädig, denn mir ist angst! Mein Auge ist trübe geworden vor Gram, matt meine Seele und mein Leib. Denn mein Leben ist hingeschwunden in Kummer und meine Jahre in Seufzen. Ich bin vergessen im Herzen wie ein Toter; ich bin geworden wie ein zerbrochenes Gefäß. Ich aber, HERR, hoffe auf dich und spreche: Du bist mein Gott! Meine Zeit steht in deinen Händen.“

Äußerlich und innerlich fühlt sich der Sprecher wie zerbrochen. Einsam, isoliert und totengleich, so elend ist ihm. Doch er findet die alles entscheidende Antwort: „Du bist mein Gott! Meine Zeit steht in deinen Händen.“ Diese Antwort spürt er im Gebet. Gott ist nicht länger verborgen. Das lässt ihn ruhig und gelassen werden. Jetzt kann er wieder tief durchatmen. Insofern möchte dieser Psalm eine Anleitung sein. Es gibt im Leben Angst und Verzweiflung, doch sie sollen nicht das letzte Wort haben. Auch in Corona-Zeiten lässt sich Ruhe und Vertrauen finden. Frieden kann wieder einziehen, wenn Panik herrscht. Denn dieser Frieden beginnt von innen. Und schenkt Dankbarkeit und Zuversicht. Dazu möchte dieses Psalmwort ermutigen.

 

Pfarrer Christhard Greiling

Evangelische Kirchengemeinde Steinhagen

Wort des Tages vom 27. März 2020

Ist es eigentlich zu früh, nach dem zu fragen, was Covid-19 bei uns positiv verändert?

Also, gemeint ist jetzt nicht die alte Leier von: „Es wird schon zu etwas gut gewesen sein…“ – nein: Es geht darum, dass dieser Virus eine Veränderung bewirkt, die sowohl Licht als auch Schattenseiten hat!
Licht ist: Soviel Gemeinschaftsaktion und Hilfeangebote und Unterstützungsleistungen und Gemeinschaftsstiftende Zeichen – ich glaube, das habe ich noch nie in meinen 49 Lebensjahren erlebt. Und alles vollbracht durch Menschen, deren Nöte auch groß sind: Finanzsorgen, Existenzängste, Überlebensängste. Das ist der Schatten des Covid-19! Und finster wird es jetzt schon dort, wo Menschen schon immer auf eine funktionierende Solidarität angewiesen waren – die Menschen, die auf die Tafel zum Beispiel angewiesen sind – um nur ein Beispiel zu nennen!
Hier müssen wir nicht nur gemeinsam hinschauen, sondern wir können auch Handeln: Ja richtig – mit Geld! Denn gerade in diesen Tagen geht es um das konkrete Tun:
Beten – ja klar!
Glocken läuten – Natürlich!
Und jetzt spenden!
Kirche war schon immer ein bisschen unverschämt, wenn es um das Spenden ging! Und vielleicht hat die Kirche sogar den Auftrag, andere daran zu erinnern, worauf es jetzt ankommt. Christus sagt: „Was ihr einem von diesen geringsten Brüdern (oder Schwestern) getan habt – das habt Ihr für mich getan!“ (Matthäus, Kapitel 25, Vers 40)
Und wer weiß, vielleicht verändert das am Ende unser Leben, unsere Einstellungen, unser Handeln!
Und wie verändert Covid – 19 unsere Kirche, unseren Glauben? Darüber sollten wir mal alle mehr nachdenken! Vor der eigenen Türe kehren! Es ist ja immer noch Passionszeit – Zeit der Umkehr! Helfen wir uns gegenseitig! Damit unsere Gebete und Gemeinschaftszeichen glaubwürdig sind! 

 

Kirsten Schumann

Pastorin in Steinhagen

Wort des Tages vom 19. März 2020

Auf soviel verzichten – nur nicht auf Kraft, Liebe und Besonnenheit

In diesem Jahr lerne ich sehr viel über Verzicht. Denn wir müssen gerade auf so vieles verzich­ten: Freizeitangebote, soziale Kontakte, Freiheiten. Die viele Zeit Zuhause – für manche kaum erträglich – schon jetzt. Aber es gibt auch andere Mo­mente: Gestern erzählte mir jemand am Telefon: „Da saßen wir mit unseren Kindern auf dem Balkon in der Frühlingssonne, hörten ein Hörspiel und haben miteinander gekuschelt.“ Wann hatten wir eigentlich das letzte Mal so viel Zeit miteinander? Ohne dass wir etwas erledigen mussten. Ohne von einem Termin zum nächsten zu hetzen. Ohne am Wochenende etliche Besuche bei Großeltern und Freunden abzuarbeiten. Diese Zeit des Verzichts, sie ist auch irgendwie geschenkte Zeit. Zumindest manchmal.

Denn im nächsten Moment sind da wieder die Sorgen: Wird es allen gut gehen? Werden alle unsere Liebsten gesund bleiben? Wie lange wird das alles dauern? Und wie geht es beruflich und finanziell weiter? Auch das bekommen unsere Kinder mit, selbst wenn wir versuchen, all das von ihnen fernzuhalten.

Für die nächsten Wochen möchte ich Ihnen einen Bibelspruch mitgeben, der mir derzeit sehr hilft: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“ (2Tim 1,7) Das wünsche ich Ihnen: Dass Sie sich nicht gefangen fühlen in Angst und Sorge, sondern dass Gott Ihnen die Kraft schenkt, miteinander dieser unruhigen Zeiten zu überstehen. Dass Gott Sie die Liebe spüren lässt, die uns mit Menschen verbindet, die wir gerade nicht persönlich treffen können. Und dass Gottes Geist uns allen die Besonnenheit gibt, für uns und unsere Familien gute und richtige Entscheidungen zu treffen.

 

Kirsten Schumann

Pastorin in Steinhagen

Erreichbarkeit der Pfarrerinnen und Pfarrer

Als Pfarrerinnen und Pfarrer bleiben wir auch in den Zeiten der Corona-Krise telefonisch und per E-Mail für Sie erreichbar. Unsere Kontaktdaten finden Sie hier.