Wort zum Sonntag | 15.02.2026

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# Kirchenkreis

Wort zum Sonntag | 15.02.2026

Wie klappt es eigentlich mit dem Beten? Diese Frage passt in unsere Zeit. Viele Menschen sind müde geworden vom Reden, vom Erklären, vom Rechtfertigen. Und doch bleibt da etwas, das sich meldet – eine Sehnsucht, gehört zu werden.

Jesus sagt einmal: Gott weiß, was ihr braucht, noch bevor ihr bittet. Das ist kein Satz, der das Beten überflüssig macht. Im Gegenteil. Er nimmt den Druck heraus. Beten muss nicht perfekt sein. Es darf schlicht sein. Ehrlich. Ohne Maske.

Gerade jetzt, wo im Karneval die Welt laut ist. Im Iran riskieren Menschen ihr Leben, weil sie Freiheit und Würde einfordern. In Minneapolis gehen Menschen auf die Straße in der Hoffnung, dass Gerechtigkeit mehr sein kann als ein Wort. Viele zahlen dafür einen hohen Preis. Wer solche Bilder sieht, fragt nicht nach schönen Formulierungen. Sondern danach, ob Gebet überhaupt noch trägt.

Vielleicht ist das Entscheidende nicht, ob Gebet alles verändert. Sondern wen es verändert. Beten heißt: Ich halte die Hoffnung offen. Ich lasse mich nicht abfinden mit dem, was ist. Ich lege diese unerlöste Welt in Gottes Hände  – auch da, wo sie dunkel ist.

Am Karnevalswochenende werden wieder Masken getragen. Das darf leicht sein, fröhlich, befreiend. Aber es tut gut, wenigstens vor Gott die Maske abzulegen. So zu kommen, wie man ist. Mit Freude. Mit Wut. Mit Angst. Mit Hoffnung.

Christlicher Glaube verspricht keinen schnellen Ausweg. Aber er vertraut darauf: Christus ist mitten unter uns. Im Brot. Im Kelch. Im Gebet. Und dort, wo Menschen nicht aufhören zu hoffen.

Vielleicht klappt Beten genau so. Nicht laut. Nicht perfekt. Aber getragen.

Kirsten Schumann,
Pfarrerin in Steinhagen

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